EIN-BLICKE

Mein erster Besuch bei Frau Schneider liegt fast 4 Jahre zurück. Sie lebte allein in ihrer Wohnung und konnte das Bett nicht mehr verlassen. Ich besuchte sie abwechselnd mit einer zweiten Hospizmitarbeiterin und Frau Schneider freute sich immer sehr über mein Kommen.

Wir hatten sehr gute Gespräche und erfuhren jede Woche Neues voneinander. Es kam aber auch vor, dass Frau Schneider große Schmerzen hatte, dann habe ich den Notruf gewählt, damit die betreuenden Schwestern ihr mit Tabletten oder Spritzen Linderung verschafften. Als ich erfuhr, dass sie früher viel Handarbeiten gemacht hat, nahm ich große Stricknadeln und Wolle mit und wir strickten zusammen. Doch bald konnte sie nicht mehr gut sehen und wir hörten zusammen Musik. Erzgebirgische Lieder hatte sie besonders gern, ab und zu sang sie mit. Zwischendurch gab es immer wieder Zeiten, da haben wir uns nur an den Händen gehalten. Eine Handmassage tat ihr immer gut.

Später konnte sie mich nicht mehr gut erkennen und ich stellte mich bei jedem Besuch vor. Ihre Reaktion: „Ach, heute ist Sonnabend, schön“.

Dann kam die Zeit, wo auch mein mitgebrachter Erdbeerjoghurt nicht mehr rutschen wollte, die Musik nicht das Richtige war und wir uns nur bruchstückhaft unterhalten konnten, denn die Schwerhörigkeit nahm immer mehr zu. Also war das Vorlesen auch nicht gut. Bei den Besuchen bei Trude, so sollte ich sie auf ihr mehrmaliges Drängen nennen, umfing mich Ruhe und Dankbarkeit. Wir haben oft zusammen gebetet. Sie meinte, dass sie durch Gebete viel Kraft und Mut bekommt.

Als ihr Gesundheitszustand immer besorgniserregender wurde, kam sie ins Krankenhaus. Auch dort habe ich sie besucht. Händehalten und Streicheln - das konnte ich noch für sie tun. Sie war sehr schwach und matt und ich glaube, auch bereit zu sterben.

Zur Beerdigung haben wir uns dann endgültig von einem liebgewonnenen Menschen verabschiedet.

Ursula Mäder ist nach 6 Jahren ehrenamtlicher Mitarbeit in diesem Jahr aus dem Hospizdienst ausgeschieden